{"id":884,"date":"2017-04-25T08:57:25","date_gmt":"2017-04-25T08:57:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gusp.org\/klima-und-konflikt\/"},"modified":"2017-06-08T09:08:14","modified_gmt":"2017-06-08T09:08:14","slug":"klima-und-konflikt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.gusp.org\/de\/klima-und-konflikt\/","title":{"rendered":"Klima und Konflikt"},"content":{"rendered":"\t<div class=\"blue-box hg\">\n\t\t<div class=\"inner\">\n\t\t\t<p style=\"margin-bottom: 0px;\"><strong><em>Hinweis:<\/em><\/strong> Die vorangehenden Abschnitte dieser Website konzentrieren sich auf die Reduzierung von sozialem Stress, der potentiell als Kriminalit\u00e4t oder sozialer Konflikt zum Ausbruch kommen kann. Zus\u00e4tzlich zu diesem Ansatz m\u00fcssen wir, wo immer m\u00f6glich, versuchen, die Stressfaktoren selbst zu lindern, z.&nbsp;B. durch Identifizierung und Milderung der Quellen von akutem sozialem Stress: Armut, soziale und wirtschaftliche Ungleichheit, Vertreibung und andere wohlbekannte Faktoren. Weniger bekannt ist das Potential klimatischer Ver\u00e4nderungen zur Versch\u00e4rfung und Verschlimmerung dieser gesellschaftlichen Stressoren, was die Gefahr eines Konfliktes noch erh\u00f6ht. Dr. R.&nbsp;K. Pachauri, eine weltweit anerkannte Autorit\u00e4t auf dem Gebiet des Klimawandels, unter dessen F\u00fchrung das\u00a0 Intergovernmental Panel on Climate\u00a0Change (IPCC) im Jahr 2007 den Nobelpreis gewann, fasst die potentiellen Auswirkungen des Klimawandels wie folgt zusammen. Diese Auswirkungen erh\u00f6hen die Motivation zu entschlossenem, vorbeugendem Handeln.<em>   <\/em>\u2014 John Hagelin, Pr\u00e4sident<\/p>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n\n\t\n<h1>Klimawandel und globale Konflikte<\/h1>\n<p style=\"padding-top: 4px; margin-bottom: 4px; font-size: 20px;\" align=\"center\"><strong>R.K. Pachauri, Ph.D.<\/strong><\/p>\n<p style=\"line-height: 24px;\" align=\"center\"><strong>Vorsitzender des <em>Intergovernmental Panel<br \/>\non Climate Change<\/em>, 2002-2015<br \/>\nStellvertretender Vorstandsvorsitzender des <em>Energy and Resources Institute<\/em> (TERI)<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_426\" style=\"width: 145px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-426\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/photo-pachauri.jpg\" alt=\"R.K. Pachauri\" width=\"135\" height=\"155\" class=\"size-full wp-image-426\" srcset=\"https:\/\/www.gusp.org\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/photo-pachauri.jpg 135w, https:\/\/www.gusp.org\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/photo-pachauri-98x112.jpg 98w\" sizes=\"auto, (max-width: 135px) 100vw, 135px\" \/><p id=\"caption-attachment-426\" class=\"wp-caption-text\"><strong class=\"small\">R.K. Pachauri, Ph.D.<\/strong><\/p><\/div>\n<p>Zahlreiche statistische Untersuchungen haben den potentiell gro\u00dfen Einfluss klimatischer Ver\u00e4nderungen auf menschliche Konflikte gezeigt&nbsp;[1]. Der Klimawandel hat das Potential, das Risiko gewaltt\u00e4tiger Konflikte zu erh\u00f6hen, denn er verst\u00e4rkt die bekannten Ursachen dieser Konflikte: Wettstreit um Ressourcen, Hunger, wirtschaftliche Krisen aufgrund wachsender Armut.\u00a0<\/p>\n<p>Untersucht man, wie L\u00e4nder und Sicherheitsinstitutionen darauf reagieren, zeigt sich, dass viele Staaten den gegenw\u00e4rtigen und vorhersehbaren Klimawandel als Verst\u00e4rkung geopolitischer Sorgen ansehen (Dabelko, 2009; Smith, 2011). Die Bereitschaft der Staaten, Ressourcen zu teilen und ihre F\u00e4higkeit, das \u00dcberleben der Menschheit zu gew\u00e4hrleisten, werden durch die Auswirkungen des Klimawandels vor eine gro\u00dfe Herausforderung gestellt. Dadurch k\u00f6nnen Besitzanspr\u00fcche auf dem Festland und zur See hervorgerufen werden und in extremen F\u00e4llen die territoriale Integrit\u00e4t oder Lebensf\u00e4higkeit von Staaten bedroht werden (Barnett und Campbell, 2010; Houghton et al., 2010; Yamamoto und Esteban, 2010)&nbsp;[2].\u2028\u2028 Es sollte erw\u00e4hnt werden, dass Extremereignisse h\u00e4ufig konfliktbegleitet sind. Als der Hurrikan Katrina die Innenstadt von New Orleans verw\u00fcstete, brachen spontan Konflikte aus. Obwohl eine wissenschaftliche Bewertung noch aussteht, haben verschiedene Kommentatoren die Konflikte in Sudan und Syrien mit ausgedehnten D\u00fcrreperioden, \u00fcberraschendem Wetterverhalten und anderen Erscheinungen des Klimawandels in Verbindung gebracht. Klimaschwankungen oder Klimawandel werden auch als eine wesentliche Ursache der Massenmorde angesehen, die 2003 in der Region Darfur begannen&nbsp;[3].<\/p>\n<p>Der f\u00fcnfte <em>Assessment Report<\/em> (AR5) des zwischenstaatlichen <em>Panels of Climate Change<\/em> (IPCC) hat vorhersehbare Auswirkungen des Klimawandels begutachtet und die potentiellen Ausl\u00f6ser von Konflikten hervorgehoben, die sich durch den vom Menschen ausgel\u00f6sten Klimawandel ergeben. Es gibt f\u00fcnf \u00bbbesorgniserregende Ursachen\u00ab, die in dem AR5 festgestellt werden, und jede von ihnen kann direkte konfliktausl\u00f6sende Auswirkungen auf die Gesellschaft haben. Diese beinhalten (1)&nbsp;einzigartige und bedrohte Systeme, (2)&nbsp;extreme Wetterph\u00e4nomene, (3)&nbsp;Verbreitung von Einfl\u00fcssen, die \u00fcber den Globus verteilt variieren, (4)&nbsp;weltweit sich summierende Auswirkungen wie der Anstieg des Meeresspiegels und (5)&nbsp;gro\u00dfr\u00e4umige Einzelereignisse.<\/p>\n<p>Der Klimawandel wird die Risiken versch\u00e4rfen und Armut zementieren (sehr hohe Wahrscheinlichkeit). Die bekannten und vielfach zitierten Wheeler-Daten (2011) analysieren Klimarisiken und die F\u00e4higkeit der L\u00e4nder, ihrer Herr zu werden. Die wachsende H\u00e4ufigkeit von Extremereignissen wurde Regionen mit hoher Armut gegen\u00fcbergestelt. Von den zwanzig&nbsp;L\u00e4ndern mit dem gr\u00f6\u00dften Risiko geh\u00f6ren sieben zu den L\u00e4ndern mit niedrigem Einkommen (<em>Low Income Countries<\/em>, LICs). Acht L\u00e4nder verf\u00fcgen \u00fcber niedriges bis mittleres Einkommen (<em>Low and\/or Middle Income Countries<\/em>, LMIC), vier \u00fcber mittleres bis hohes Einkommen (<em>Upper Middle-Income Countries<\/em>, UMIC), und ein Land z\u00e4hlt zu den L\u00e4ndern mit hohem Einkommen (<em>High Income Countries<\/em>, HIC).&nbsp;[4]\n<p>Der <em>Synthesis Report<\/em> (SYR) des AR5 zum Beispiel betont, dass der Klimawandel zu verst\u00e4rkten Bev\u00f6lkerungsverschiebungen f\u00fchrt. Bev\u00f6lkerungen, denen die M\u00f6glichkeit zur geplanten Migration fehlt (z.&nbsp;B. Entwicklungsl\u00e4nder mit geringem Einkommen), sind extremen Wettergeschehen&nbsp;\u2013 \u00dcberschwemmungen, D\u00fcrren&nbsp;\u2013 st\u00e4rker ausgesetzt. Ver\u00e4nderte Migrationsmuster k\u00f6nnten die Reaktion auf extremes Wettergeschehen und langfristige Klimaschwankungen und Klimaver\u00e4nderungen sein.<\/p>\n<p>Diejenigen Teile der Weltbev\u00f6lkerung, die Erfahrungen mit Wasserknappheit oder mit gro\u00dfen Fluss\u00fcberschwemmungen haben, werden parallel zum Temperaturanstieg des 21.&nbsp;Jahrhunderts voraussichtlich gr\u00f6\u00dfer werden. Der Klimawandel im 21.&nbsp;Jahrhundert wird das erneuerbare Oberfl\u00e4chenwasser und die Grundwasserreserven in den trockensten subtropischen Regionen voraussichtlich mindern und den Wettkampf um Wasser in den einzelnen Bereichen verst\u00e4rken. In den heutigen Trockengebieten wird die D\u00fcrreh\u00e4ufigkeit bis Ende des 21.&nbsp;Jahrhunderts wahrscheinlich noch zunehmen.\u00a0<\/p>\n<p>Zudem werden wahrscheinlich alle Aspekte der Nahrungsversorgung vom Klimawandel beeinflusst, einschlie\u00dflich der Erzeugung von Nahrungsmitteln, ihrer Verf\u00fcgbarkeit, ihrem Verbrauch und ihrer Preisstabilit\u00e4t. F\u00fcr Weizen, Reis und Mais in tropischen und gem\u00e4\u00dfigten Regionen geht man bei einer ungen\u00fcgenden Anpassung an den Klimawandel von einem negativen Einfluss auf die Produktion aus, sobald die \u00f6rtlichen Temperaturanstiege gegen\u00fcber dem sp\u00e4ten 20.&nbsp;Jahrhunderts 2&nbsp;\u00b0C oder mehr betr\u00e4gt.\u00a0<\/p>\n<p>Bis zur Mitte des Jahrhunderts wird der prognostizierte Klimawandel die menschliche Gesundheit vor allem durch die Versch\u00e4rfung der bereits bestehenden Probleme beeinflussen. Die Ausbreitung und Vermehrung der von Moskitos verursachten Krankheiten in einigen Teilen der Welt ist neben anderen Faktoren eindeutig eine Folge des Klimawandels. Zu den anderen gesundheitlichen Auswirkungen z\u00e4hlen eine h\u00f6here Wahrscheinlichkeit von Verletzungen und Todesf\u00e4llen durch intensivere Hitzewellen und Br\u00e4nde, wachsende Gefahren von Krankheiten durch schlechte Lebensmittel und Wasser sowie der R\u00fcckgang der Arbeitskraft und der Produktivit\u00e4t in gef\u00e4hrdeten Bev\u00f6lkerungen. Die Gefahr von Mangelern\u00e4hrung in armen Regionen wird zunehmen. Voraussichtlich wird auch die Gefahr von ansteckenden Krankheiten mit der Erw\u00e4rmung zunehmen: Infizierte Gebiete werden ebenso wachsen wie entsprechende Jahreszeitenperioden, auch wenn es in einigen Gebieten so hei\u00df werden wird, dass Krankheitserreger nicht mehr \u00fcberleben k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<p>Alle diese Ver\u00e4nderungen und ihre Auswirkungen erh\u00f6hen die M\u00f6glichkeit f\u00fcr Konflikte auf regionaler wie auf internationaler Ebene. Solange der Klimawandel nicht entsprechend bek\u00e4mpft und wesentlich gemildert wird, werden Gr\u00f6\u00dfe und Ausma\u00df dieser negativen Auswirkungen in den kommenden Jahrzehnten deutlich zunehmen.<\/p>\n<h4>Quellen<\/h4>\n<ol class=\"references\">\n<li>Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), Fifth Assessment Report  (AR5), Working Group II (WGII), Climate Change 2014\u2013Impacts, Adaptation, and Vulnerability, Part A: Global and Sectoral Aspects, 19.4.2.2\u2013Risk of Conflict and Insecurity, 1061.<\/li>\n<li>IPCC AR5 WG II, Climate Change 2014\u2013Impacts, Adaptation, and Vulnerability, Part A: Global and Sectoral Aspects, 12.6.2\u2013Geopolitical Issues, 775.<\/li>\n<li>IPCC AR5 WG II, Climate Change 2014\u2013Impacts, Adaptation, and Vulnerability, Part A: Global and Sectoral Aspects, Box 12-5\u2013Climate and the Multiple Causes of Conflict in Darfur, 773.<\/li>\n<li>IPCC AR5 WG II, Climate Change 2014\u2013Impacts, Adaptation, and Vulnerability, Part A: Global and Sectoral Aspects, 13.2.2.1\u2013Projected Risks and Impacts by Geographic Region, 810.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klimawandel und globale Konflikte R.K. Pachauri, Ph.D. Vorsitzender des Intergovernmental Panel on Climate Change, 2002-2015 Stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Energy and Resources Institute (TERI) Zahlreiche statistische Untersuchungen haben den potentiell gro\u00dfen Einfluss klimatischer Ver\u00e4nderungen auf menschliche Konflikte gezeigt&nbsp;[1]. 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